Wenn du am Boden liegst

Psalm 119, 25-32

Erinnere dich an Momente in deinem Leben, in denen du nicht mehr weiter wusstest. Vielleicht bei einer schwierigen Prüfung: Du lernst und lernst, aber kriegst den Stoff einfach nicht in deinen Kopf hinein. Am Ende kassierst du eine schlechte Note, was dich total frustriert. Vielleicht hast du auch bereits schlimme Dinge erlebt, wie den Tod eines liebgewonnenen Menschen oder andere Situationen in denen du dich fragst, warum so etwas Schlimmes passiert. Du liegst am Boden. Du weißt einfach nicht mehr ein noch aus…

In all dem kannst du deine Gedanken und dein Flehen an Gott richten. Ihm kannst du alles sagen, auch deine Ängste. Er gibt dir die Kraft wieder aufzustehen, wenn du am Boden liegst. Er steht dir mit Rat und Tat zur Seite. Ihm kannst du dein Leid klagen, ihm kannst du vertrauen. Er ist immer da und hält dich gerne. So heißt es in Psalm 119, „Ich habe dir schon oft meine Not geklagt, und du hast mir immer geholfen.“

Wir können auf Gott vertrauen. Er gibt uns den Halt, die Sicherheit, die uns unserer Zukunft gelassen entgegensehen lässt.

Dennis Heide, Krombach, 27 Jahre

Alles klar!

Markus 4, 21-25

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Jesus mich mit seinen Worten und Bildern und Wortbildern im Dunkeln stehen lässt. Ich verstehe einfach nicht, was er meint. In diesen Zustand hinein sprechen die Worte des heutigen Textes eine klare Sprache:

Als erstes spricht Jesus in einem Bild. Es geht um Licht und wozu es da ist. Es bringt Verborgenes zum Vorschein, macht sichtbar, was unsichtbar ist. Jesus ist so ein Licht in unserer Welt. Gott ist in ihm auf diese Welt gekommen, damit ihn alle kennenlernen können. Er hat kein Interesse daran, mich im Dunkeln tappen zu lassen. Gottes Reich ist nicht verborgen, nicht exklusiv, kein Geheimclub. Sein Reich steht allen offen. Er versteckt sich nicht. Nein, in Jesus ist er lebendig und sichtbar gewordene Liebe zu uns und allen Menschen.

Als zweites fordert Jesus alle die Ohren haben auf, zu hören und das, was sie hören, auch zu beachten, d.h. danach zu handeln. Jesus ist Gottes Wort für diese Welt, das gehört und beachtet werden will. Was ich von ihm und durch ihn verstanden habe, danach darf ich leben und dabei feststellen, dass es mir gut tut. Im Hören werde ich verständiger werden und so mit der Zeit immer mehr verstehen.

Auf die Aufforderung, Jesus zuzuhören und zu achten, folgt ein weiteres Bild. Es geht um das rechte Maß im Umgang mit unseren Mitmenschen. Welchen Wert messe ich meinem Gegenüber bei? Jesus macht deutlich: So, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe, so wird auch mit mir umgegangen werden.

Es ist an der Zeit die Erkenntnisse aus dem heutigen Text zusammenzudenken: Als Licht dieser Welt möchte Jesus unser Dunkel erhellen. Als Wort möchte er Klarheit in unsere Gedanken und unsere Sicht der Welt bringen. Jesus in den Blick zu nehmen und auf ihn zu achten, lässt mich die Welt und meine Mitmenschen in einem neuen Licht sehen. Ich kann mich und andere stehen lassen. Ich kann zuhören und Achtung schenken. Jesus verspricht uns, dass wir dadurch immer mehr von Gott verstehen werden, dass sein Reich unter uns wächst und seine Liebe für mich und andere immer spürbarer wird.

Alles klar!

Melanie Grybel

Streng geheim?

Markus 4, 10-20

Man nehme ein weißes Blatt Papier. Dann etwas Essigessenz und ein Streichholz. Man tauche das hölzerne Ende des Streichholzes, also ohne den Schwefelkopf, in den Essig. Nun kann man eine Nachricht auf das Blatt Papier schreiben. Man warte bis die Schrift trocken ist. Sie bleibt unsichtbar. Sichtbar wird sie erst, wenn man das Papier in die Nähe einer Kerzenflamme bringt. Dann wird die Nachricht wie durch Zauberhand sichtbar und lesbar. Sie ist zu entziff ern. Als Kinder haben wir uns einen Spaß daraus gemacht, mit „Zaubertinte“ unsichtbare Botschaften auf‘s Papier zu bringen, die Unbefugte – wie andere Kinder etwa – nicht lesen sollten.

Ein wenig wie eine Geheimbotschaft scheint die Nachricht vom Reich Gottes ja auch zu sein. Manche können sie lesen. Manchen bleibt sie verborgen. Das erklärt Jesus den Jüngern. „Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, denen da draußen aber wiederfährt es alles in Gleichnissen.“ Dass Gott regiert, sehen wir nicht automatisch und von Natur aus. Gott selbst ist uns unsichtbar.
Wir haben vielleicht eine Ahnung von ihm. Manche Erfahrungen wirken so, als sei er uns begegnet. Manches bleibt aber auch zweifelhaft. Wie kann ich Gottes gewiss sein? Um den unsichtbaren Gott anschaulich zu machen, erzählt Jesus Gleichnisse. Jeder versteht ihre Handlung. Da wirft der Bauer mit der Hand Saatkörner aufs Feld. Manches fällt unter Dornen, manches auf den Weg, manches picken die Vögel auf. Alle diese Körner gehen nicht auf. Nur die, die auf fruchtbaren Boden fallen, werden zum Halm. Nur der trägt dann die Ähre. Er bringt Frucht. Bis dahin versteht es jedes Kind. Aber die Lehre dahinter: so ist es mit Gottes Anreden an uns. Oft sind wir für ihn taub, aber manchmal bleibt etwas hängen. Wir verstehen ihn und merken ihn. Wir werden seiner immer stärker gewiss. Und damit merken wir, dass er uns sieht, dass er uns trägt, dass er einen Weg für uns persönlich vorsieht. Erklären können wir das Wirken Gottes nicht. Die „Kerzenflamme“ des Geistes Gottes öff net uns die Augen für ihn. Sie entschlüsselt uns den Sinn. Sie macht uns erst zu Kennern Gottes und dann zu seinen Jüngern. Die können dann sagen: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139)

Peter-Thomas Stuberg
Superintendent des Ev. Kirchenkreises Siegen

Durch Gottes Wort gehalten

Markus 4, 1-9

Einige, vielleicht sogar viele von euch, kennen das heutige Gleichnis. Es ist das Gleichnis vom Sämann, eines meiner Lieblingsgleichnisse. Warum, werde ich euch im Folgenden erzählen.

Ich finde es bemerkenswert, dass so viele Menschen damals dieses Gleichnis hörten. „Eine sehr große Menge“ hat Luther übersetzt. Deshalb musste Jesus sich eines altertümlichen Verstärkers, des Wassers in einer Bucht, bedienen, damit ihn alle hören konnten. Und das Beste: Nun, da ihr das Gleichnis gelesen habt, gehört ihr auch zu dieser Menge!

In dem Gleichnis erzählt Jesus von vier Ackerfeldern deren Böden unterschiedlich beschaffen sind. Die ausgeworfenen Samenkörner finden sehr unterschiedliche Lebensbedingungen vor. Jesus vergleicht den Samen mit dem Wort Gottes Wort, das von Menschen unterschiedlich aufgenommen wird.

Was bedeutet Gottes Wort für dich? Fühlst du dich bestätigt? Bist du aufgerüttelt oder gar verstört? Nervt dich Gottes Wort mit Anweisungen und Geboten, oder überlegst du was Gott damit meinen könnte? Gibt dir Gottes Wort Halt?

Zurück zum Gleichnis. Jesus beschreibt drei Böden, auf denen der Samen nicht wachsen kann. Er wird zertrampelt und von Vögeln aufgepickt. Er verdorrt in der Sonne, weil er keine Wurzeln bilden kann. Der Same wird von Dornen erstickt und ihm wird die Kraft genommen. Denn das Unkraut wächst schneller. All dies sind Bilder dafür, wie Gottes Wort in unser Leben fällt und wie wir mit ihm umgehen.

Eine Bodenart aber ist besonders. Der gute Boden. Die fruchtbare Erde. Dort findet das Wort Gottes einen guten Untergrund, um Wurzeln zu schlagen. Es dringt tief ein und kann sich entfalten.

Gottes Wort erzählt von seiner Liebe, die durch Jesus Christus in unserer Welt Gestalt gewann. Durch ihn möchte Gott uns in unserem Leben Halt geben. In Jesus begleitet uns Gottes Wort in unseren Alltag. Er steht uns in schwierigen und fröhlichen Situationen bei.

Gehalten von Gott. Durch sein gestaltgewordenes Wort. In seiner Gegenwart.
Diese Erfahrung wünsche ich Dir!

Volker Peterek
Jugendreferent im Ev . Kirchenkreis Siegen
Region 5 – Freudenberg, Oberfischbach, Oberholzklau, Olpe, Trupbach-Seelbach

Wunschkinder

Markus 3, 31-35

MOMENT …. hab‘ ich das gerade richtig verstanden? Jesus verleugnet seine Mutter und seine Geschwister? Das kann doch nicht sein, oder …? In den Versen vorher lesen wir, dass Jesus unterwegs ist, mit seinen 12 Jüngern. Sein tiefstes Anliegen ist es, den Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen. Sein Vertrauen und seine Liebe zu Gott, sind tief und endlos! Doch wie sieht es aus, mit seiner Mutter und seinen Geschwistern?

Er sagt in den Versen: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Geschwister?“ Was meint Jesus damit? Verleugnet er hier seine Familie? Das muss ein Missverständnis sein! Mein Bild von Jesus ist jedenfalls anders!

Jesus ist mein Freund, mein Tröster und Helfer und er steht immer zu mir, egal was ich tue. Er ist der beste Angstvertreiber, der größte Mutmacher, mein Retter und auch mein Fürsprecher vor Gott (1. Johannes 2,1)

Doch warum reagiert Jesus so komisch, als die Leute sagen, dass seine Mutter und seine Geschwister auf ihn warten und mit ihm reden wollen?

Ich lese den Text noch einmal und mir wird klar, Jesus verleugnet hier keineswegs seine Familie, ganz im Gegenteil. Er macht den Menschen deutlich, dass noch mehr Menschen zu Ihm gehören. Er sagt: „Alle, die Gottes Willen tun, sind für mich Bruder, Schwester und Mutter.“ Mit dieser Aussage macht er klar, dass alle Menschen, die sich für Gottes Willen entscheiden, auch zu ihm und seiner Familie gehören.

Was bedeutet das für DICH? Was bedeutet das für mich? In eine irdische Familie werden wir hineingeboren. Wir können uns nicht aussuchen, wer unsere Eltern und wer unsere Geschwister sind. Wenn wir uns aber für Jesus entscheiden, werden wir neu geboren und sind auch ein Teil seiner Familie! Er hat sich uns schon immer ausgesucht, für ihn sind wir Wunschkinder. Jesus liebt uns bedingungslos! Wir haben einen Platz in seinem Herzen und in seiner Nähe. Er hält zu uns und er geht mit uns durch dick und dünn. Es ist ein wunderbares Privileg, Gottes Kinder zu sein, mit allem was dazu gehört. Hier auf Erden und später einmal, wenn wir nach unserem Tod, in Gottes Herrlichkeit sind.

Wir erben als Kinder Gottes und Geschwister Jesu das Himmelreich mit allen seinen Schätzen. Das wird das größte und schönste Familientreff en, das wir je erleben werden.

Wir sehen uns!

Marion Wirth, 43 Jahre, Büschergrund

Kriegszug gegen Geister

Markus 3, 20-30

Die Schriftgelehrten sagten über Jesus: Er treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten. Jesus aber sprach: Wie kann der Satan den Satan austreiben? … Niemand kann in das Haus eines Starken eindringen, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt.

Jesus treibt die Geister aus. Er hat den „Herrn der Geister“, den „Starken“ gefesselt und besiegt. Das ist dem Markus ganz wichtig. Gleich sein erster Wunderbericht ist eine Geisteraustreibung: Mk. 1,23–28. Weitere Austreibungen folgen an markanter Stelle: z.B. 3,11; 6,7; 16,9+17. Sein Evangelium ist der Bericht von einem Kriegszug gegen die Geister mit abschließendem Sieg.

Für Markus ist der Satz: „Jesus treibt Geister aus“, ein anderer Ausdruck dafür, dass Jesus Menschen gesund und heil macht. Äußerlich betrachtet verlieren sie ihre Symptome. Markus aber sagt: Jesus treibt die Geister aus. Das heißt: Jesus doktert nicht an Symptomen herum. Er heilt ganz und gar. Er macht ein Leben ganz neu. Die Menschen damals erlebten das so: „Jesus hat mich von allem befreit, was mich krank gemacht hat.“ Die Vorstellung von Geistern war für die damalige Zeit ganz normal. Krankheiten wurden eben auf die Schuld des erkrankten Menschen zurückgeführt oder auf die Einwirkung böser Geister. Wenn ein Arzt gesund machte, dann hatte er off enbar den entsprechenden Dämon besiegt.

Wir erklären Krankheiten heute anders. Wir wissen von Viren und Bakterien und anderen Auslösern. Gut, dass wir die Erklärung mit Geistern nicht mehr brauchen! Gut, dass wir uns nicht fürchten müssen vor Dämonen, die im Dunkeln nach uns greifen! Und doch haben auch heute viele Erkrankungen und Leiden eine Ursache, die tiefer liegt, als in den körperlichen Symptomen. Etwas belastet Menschen, eine Schuld, eine Verletzung. Und diese innere Ursache hält einen Menschen so gefangen, dass er darüber manchmal sogar körperlich krank wird. Das Evangelium zeigt: Hier kann Jesus immer noch helfen. Was mich von der Lebenskraft tief in mir trennt, was mich „mit Angst besetzt“ (!), das kann Jesus von mir nehmen. Denn er hat „es“ besiegt. Es gibt jedenfalls nichts, was mich vom Leben trennen kann, wenn ich Jesus habe.

Jesus ist kommen, der starke Erlöser,
bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
sprenget des Feindes befestigte Schlösser,
führt die Gefangenen siegend heraus.
Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser?
Jesus ist kommen, der starke Erlöser.
(Ev. Gesangbuch Nr. 66)

Pfr. Rolf Fersterra, Niederschelden
Vorsitzender des Synodalen Jugendausschusses

Halte mich, ich halte dich…

Markus 3, 7-19

Da geht‘s ganz schön ab bei Jesus. Wie bei einem Superstar müssen seine Jungs ein Boot bereithalten. Wird die tobende Menge zu extrem, kann Jesus einfach ins Boot jumpen und weg ist er. So würde die Geschichte ausgehen, wenn Jesus so drauf wäre wie Superstars im Normalfall drauf sind. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass Jesus wirklich was drauf hat und er die Menschen nicht liebt, weil sie was von ihm wollen und ihn toll finden. Er liebt sie einfach so.
Jesus hatte geplant die Flatter zu machen, brachte es aber nicht übers Herz. Er sah die Sehnsucht der Menschen: „Halte mich, Jesus!“ Sie hatten Not, sie waren krank und mussten leiden.

Man muss wissen, dass man zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, nicht einfach in ein Krankenhaus marschieren konnte und dort behandelt wurde. Damals wie heute stehen wir vor Krankheiten und Leiden, die unsere Medizin an ihre Grenzen bringt.

Halte mich! Hilf mir! Wenn man jemanden liebt, kann man solche Schreie nicht überhören. Im Text steht, allein die Berührung habe ausgereicht, um gesund zu werden. Sich an Jesus zu halten reichte aus, denn er hält die Menschen, die ihn um Hilfe bitten. Wenn Jesus aufschlägt (Superstarszene :-D), dann müssen sogar die Dämonen sagen: Du bist der Sohn Gottes, du bist der echte Superstar.

Egal wie beschissen es dir auch gehen mag, was auch immer für eine Krankheit oder Leid dich plagt bzw. plagen wird, halte dich an Jesus, er wird dir helfen und nicht ins Boot jumpen und vor dir weglaufen. Er ist da, er liebt dich, er, Gott selbst, Schöpfer und Erfinder aller Dinge. Vielleicht nimmt er Leid und Krankheit nicht sofort oder gar nicht weg, dennoch ist er da und wird dir auf seine Art helfen. Vielleicht mit Trost oder Mut durch manche Phase des Leidens zu gehen.

Er liebt dich und geht mit dir. Egal was kommt! „Halte mich oder halte dich an mich, ich halte dich!“ (Superstar: Jesus)

Thomas Gockele
Jugendreferent im Ev. Kirchenkreis Siegen
Region 1 – Netphen, Deuz, Dreis-Tiefenbach, Rödgen-Wilnsdorf

In aller Freiheit

Psalm 124

Endlich Ferien! Das war für mich immer der erlösende Ruf am letzten Schultag. Eine Zeitlang nicht mehr dem Druck von Klassenarbeiten, mündlicher Beteiligung und Noten ausgesetzt zu sein, tat gut. Urlaub tut mir heute immer noch gut. Das Gewohnte wird unterbrochen, unserer Zeitgestaltung weniger Grenzen gesetzt. Kein Stundenplan, keine Stechuhr, kein Termindruck. Frei wie ein Vogel, der dem Netz des Jägers auf wundersame Weise entronnen ist. Ferien, dass ist geschenkte Zeit, in der wir befreit von allen Fesseln unsere Flügel ausbreiten können. „Ferien haben ist wie wennse fliechs“, würde man in meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, sagen, und über den Wolken ist die Freiheit bekanntlich grenzenlos. Es ist super, einfach mal losgehen zu können, Neues zu entdecken. Das ist ein Luxus, den längst nicht alle Menschen auf der Welt haben.

Gott, der Schöpfer dieser Welt, hat diese Freiheit für uns eingeplant. Sechs Tage arbeiten und einen Tag ruhen, so ist es von Anfang an vorgesehen. Manchmal kann ich nur staunen, wie weise und vorausschauend Gott für seine Menschen sorgt. Denn wir brauchen ja diese Zeit auch, um – in aller Ruhe – Gott zu begegnen. In der Begegnung mit Gott finden wir uns selbst. Und wer mit Gott und sich im Einklang ist, der ist auch stark genug, den Herausforderungen des Alltags zu begegnen.

Das mit der Freiheit ist aber auch nicht ganz ohne Gefahren. Im Sommer erlebe ich auf meiner Terrasse, wie es manchmal „klatsch“ macht, und so ein frei fliegender Vogel gegen mein Wohnzimmerfenster knallt. So schön die Freiheit auch ist, wer nicht aufpasst, der kann sich in aller Freiheit verfliegen, ein Hindernis nicht sehen oder in die Falle eines Jägers geraten. Da ist es doch gut zu wissen, dass Gott ein Auge auf uns hat. Wir sind von ihm gehalten, damit wir in aller Freiheit die Freiheit entdecken können.

Pfarrer Lothar Schulte, Netphen

Gott geht voran

2. Mose 40, 34-38

Die Israeliten haben die Stiftshütte, eine Art Zelt, fertig gebaut und die Gebotstafeln sind gut aufgehoben. Nun geschieht etwas Wunderbares. Die Wolke, die den Israeliten seit ihrer Flucht aus Ägypten vorangegangen ist und ihnen den Weg gewiesen hat, senkt sich über die Stiftshütte und Gott nimmt in diesem Zelt Wohnung. Immer dann, wenn die Wolke sich erhebt, setzt das Volk seinen Weg fort. So, wie sie bisher der Wolkensäule gefolgt waren, ziehen sie nun hinter der Stiftshütte her. Gott ist ihr Wegweiser, der sie versorgt und ihnen den Weg ins gelobte Land zeigt.

Es ist schon echt super, wenn man sich auf jemanden verlassen kann, der einem den richtigen Weg zeigt. Keine Beta-Version eines Navis, das an einer T-Kreuzung auffordert, geradeaus weiter zu fahren, sondern jemanden, der den Weg ganz zuverlässig kennt. Der weiß, wie man so manches Hindernis im Leben sicher umfahren kann oder wie man auf unwegsamen Strecken sicher und gut ans Ziel kommt.

Ich habe schon oft das Gefühl gehabt, dass auf meinem Weg riesige Steine liegen, die ein Weiterkommen unmöglich machen. Und ich habe versucht, die Steine alleine aus dem Weg zu räumen – meistens ohne Erfolg. Ich musste auch häufiger Entscheidungen in meinem Leben treff en, die wie eine Weggabelung vor mir lagen und ich bin oft falsch abgebogen, habe den scheinbar leichteren Weg gewählt.
Dann habe ich angefangen, die großen Entscheidungen in meinem Leben bewusst in Gottes Hände zu legen, ihm die Führung zu überlassen. Und das war die beste Entscheidung, die ich jemals getroff en habe. Das gilt auch, wenn ich manchmal Gottes Wege nicht verstehe und das Gefühl habe, dass ich auf einem anderen Weg schneller ans Ziel käme.

Auch wenn Gott nicht ständig wie eine feurige Wolkensäule vor mir her zieht, so ist er doch da und stellt mir Menschen zur Seite, die mit mir gehen und für mich beten. In der Bibel finde ich Geschichten, die mir auf meinem Weg mit und zu Gott, wie ein Kompass die Richtung zeigen.

Ich wünsche dir, dass du Gott auch als Wegweiser und –begleiter für deinen Lebensweg erkennst und dass du dich auch auf steinigen Wegen darauf verlassen kannst, dass Gottes Wege gut für dich sind.

Eva-Lisa Friedrich
Jugendreferentin im Ev. Kirchenkreis Siegen
Region 3 – Eisern, Eiserfeld, Gosenbach, Niederschelden

Crashkurs Innenarchitektur

2. Mose 40, 1-17

Da gibt es ganz klare Anweisungen für Mose, wie Gott sich seine Wohnung – also die Stiftshütte – vorstellt. Bundeslade, Vorhänge, Altar, Tisch, Schaubrote, Becken und Gestell, Decken und Leuchter – an alles wurde gedacht und alles hatte seinen dafür vorgesehenen Platz. Da hätte Tine Wittler vermutlich dekomäßig auch nix mehr zu meckern gehabt.

Dann werden noch die entsprechenden Personen (aus der Priesterfamilie Aarons) herbeizitiert, gewaschen, angezogen und gesalbt und damit ist Gottes Wohnung fertig, am ersten Tag des ersten Monats im zweiten Jahr. Ob der Mietvertrag dann auch unterschriftsreif vorlag und der Umzug reibungslos von statten ging, wird nicht erzählt.

Warum wird das so genau erzählt und was hat das mit uns in diesem „Andachtensommer 2016“ unter dem Thema „Halt mich!“ zu tun?

1. Mose hat sich an die Anweisungen Gottes gehalten.
2. Der Bund, den Gott mit Mose und dem Volk Israel am Sinai schloss, hat gehalten und wurde sogar nochmals erneuert, als Jesus auf die Erde kam.
3. Die 10 Gebote, die Mose dort bekam, könnten auch hier und in meinem Leben schon mal „Halt mich!“ oder auch einfach nur „Halt!“ rufen.
4. Zu wissen, wo Gott wohnt, wie er so eingerichtet ist, wo ich ihn finden kann und wo vielleicht seine „heilige“ Privatsphäre hinter dem Vorhang beginnt, kann einem auch Halt geben.
5. „Halt mich!“ könnte auch die Aufforderung von Menschen sein, die bei mir Halt suchen, weil sie Antworten finden wollen auf die Fragen des Glaubens – eine „priesterliche“ Aufgabe für jeden!
An der Stelle zu wissen, dass es klare Anweisungen Gottes gibt, Menschen auf „Orte“ (Kirche?) und Lebens-„Räume“ zu verweisen, die es einem leichter machen, ihn zu finden, selber im Glauben Halt zu suchen und bei diesem Gott Halt zu finden, kann eine große Hilfe und ein Halt im Leben sein.

Von Gott (Bund und Treue) gehalten sein, den Glauben erhalten (beides: geschenkt bekommen und bewahren), uns nicht aufhalten lassen, uns zu Menschen zu verhalten, uns nahe bei Gott aufhalten, die Gebote Gottes – so gut es geht – einhalten, oder auch einfach mal innehalten, davon sollte uns nichts abhalten!

Arnd Kretzer
Jugendreferent im Ev. Kirchenkreis Siegen
Region 3 – Eisern, Eiserfeld, Gosenbach, Niederschelden